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Dagegen

Es fällt mir zunehmend schwerer gegen etwas zu sein, weil es heute leichter denn je ist, gegen etwas zu sein.

Was früher der “Atomstrom – Nein Danke” Sticker war, ist heute die “Oben bleiben”* Badge auf Facebook. Es ist in der Regel sehr leicht im Netz Bestätigung zu finden und man versandet in Foren/Gruppen/Communities welche einen bestärken. Menschen, die sich gegenseitig mit Links, Dokus und Studien füttern die immer nur die eigene Seite als die Richtige darzustellen scheinen und nach Außen hin mit zunehmendem Dogmatismus ihre Wertvorstellungen propagieren ohne Gefahr zu laufen der eigenen Hybris gewahr zu werden, denn entweder erledigt man seine Weltverbesserung direkt beqem von zu Hause aus oder verkehrt hauptsächlich mit ähnlich eingestellten – um nicht zu sagen verblendeten – Individuuen, die nicht im Traum darauf kämen, die eigenen Wertvorstellungen und Argumente anzugreifen.

Denn genau das, was immer das Fundament einer wirklichen Gegenbewegung sein muss – eine informierte, selbstreflexierte Position – kann nur mit einem Mindestmaß an Sachlichkeit und Kritikbereitschaft entstehen, genau dem Gegenteil derzeitiger Wohlfühl-Oppositionen.

Es fühlt sich so an, als ob Widerstand sich auf das Beitreiten in eine Gruppe verringert hat und sich vielmehr aus dem Fehlen eines klaren Feindbilds und der Langeweile des eigenen Wohlstands entsteht.
Noch dazu kommt, dass dieser völlig nachvollziehbare Drang nach “Verbessern der Welt” und eine grundsätzlich nicht verkehrte Empathie für das Leben schamlos von Politik, Aktivisten und Ihren Gruppen und der Konsumindustrie ausgenutzt werden um ihre Ziele zu verfolgen [1]. Auch ist es erstaunlich, dass Frauen deutlich häufiger z. B. Vegetarier sind als Männer weshalb man sich selbst fragen muss: Warum mach ich das eigentlich? Wie kam es dazu? Sind meine Gründe wirklicher Änderungswillen oder eher eine Art schlechtes Gewissen? Würde ich auch so handeln, wenn ich weniger Geld hätte bzw. der Aufwand so zu handeln größer wird? Wo ist die Grenze zwischen blindem Dogmatismus und Prinzipientreue? Oder sind es überhaupt Prinzipien und nicht irgend ein aktueller Trend welcher die Bedürfnisse nach Gerechtigkeit, Güte und Mitmenschlichkeit scheinbar stillt?

Fast bei jedem Thema – sei es Atomstrom, Massentierhaltung, globale Erwärmung, Billiglohnländer oder Banken-Krise – stehe ich nach einer Recherche zum Thema zwar schlauer, aber nahezu nie als klarer Befürworter oder Gegner einer einfach zu definierenden Position da, denn (Achtung Kalenderweisheit) die Welt ist nicht schwarz und weiß. Und diese simple Weisheit erstickt im Geschrei der Feierabend-Demonstranten [2] und mit ihr der ernstgemeinte Protest.

Deshalb bin ich dagegen, dass Dagegensein zum Lifestyle verkommt.

* oder irgend ein anderes, beliebiges, ähnlich aufgeladenes Thema
[1] Dazu empfehle ich sehr diese Folge von P&T Bullshit
[2] “Das ist aber schön, dass der Wutbürger nach der Demo Kuchen essen kommt.” — Harald Schmidt

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Vanille-Eis

Wer sich so wie ich nicht gefragt hat, was eigentlich Vanilla Ice heutzutage so treibt bekommt jetzt eine Antwort:

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The Righteous Mind

Ein hochinteressanter Artikel darüber, warum Rationalität oft schwer wenn nicht sogar unmöglich für uns ist, wie Meinungen entstehen und wie man selbst versuchen kann diese besser zu verstehen.