Print Shortlink

Der Populismus des kleinen Mannes

Ausgelöst durch eine “Debatte” auf Grund des aktuellen Pferdefleischskandals kamen Kollegen ziemlich schnell auf “Und was soll das überhaupt bedeuten ‘wer so billiges Fleisch kauft braucht sich nicht wundern’? Als ob man bei Bio nicht genauso beschissen wird” – nach meiner Erläutern der Hintergründe und Vergaberegeln für Biosiegel (nach bestem Wissen und Gewissen) war relativ schnell klar, dass hier ziemlich verfestige Vorstellung von “alles Beschiss” vorherrscht, nach dem Motto “macht eh keinen Unterschied.”

Ich bin immer wieder erstaunt durch solche Ansichten, auch von Leuten, die nicht dumm sondern schlicht uninformiert sind aber genau auf dieser Uninformiertheit beharren. Beim Versuch aufzuklären wird man weggewischt wie etwas Lästiges, dabei habe ich nichts anderes getan als öffentlich zugängliche Information wiedergegeben*.

Für mich stellen sich ein paar einfache Fragen: Welche Sinn hätte es solche EU- und deutschlandweiten Siegel einzuführen, wenn diese reine Marketing-Tools sind? Und vor allem: Welche Konsequenzen hätte das, wenn dem wirklich so ist? Wie kann ich allen erstes glauben, etwas würde sich ändern, wenn ich selbst nicht bereit bin den Leuten zu vertrauen, von denen ich mein Essen kaufe? Dem Staat, der es bewertet? Von unzähligen Prüforganen, Vereinen und den Medien (ja, genau die Medien, welche den aktuellen Skandal, den Grund für dieses Gespräch, zu Tage gefördert haben)? Wie kann so jemand sich in der Mittagspause über Existenzielles aufregen, absolutes Misstrauen gegenüber allem äußern, ohne einen Hauch von Konsequenzen daraus zu ziehen, und nicht wahnsinnig zu werden vor Paranoia und Machtlosigkeit?

Mir ist oft und immer wieder ein Rätsel, wie man mit einem solchen Frust, einer solchen Einstellung und der damit einhergehenden Inkonsequenz durchs Leben gehen kann. Oder bin ich nicht in der Lage bloße Heiße Luft von echten Diskussionen zu unterscheiden? Ich habe die ungute Angewohnheit, wenn sich jemand über etwas beschwert, zu glauben, eine Lösung dafür finden zu müssen und ich weiß das ich damit nicht allein bin. Im Klischee wird das ja pauschal “Männern” unterstellt.

Und es frustriert mich, wenn ich keine Lösung finde oder gar nicht die Gelegenheit dazu bekomme, weil mein Gegenüber letztlich nur Dampf ablassen möchte. Aus meiner Perspektive läuft hier jemand gegen eine Wand, schreit dass es weh tut, und dass die Wand da ungünstig steht. Wenn ich einen Richtungswechsel vorschlage, wird gesagt “In alle anderen Richtungen sind auch Wände” ohne zu schauen und schon beginnt das Schauspiel von vorn.

“Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten” – angeblich Albert Einstein

* die Tatsache, dass ich nicht in Fjo-Discussion-Rage gegangen bin, wird durch die Existenz dieses Eintrags als Ersatzhandlung ausreichend belegt